FOW046 – Update aus Hongkong (mit Xifan Yang)

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1 Kommentar

  1. Tschino

    vielen lieben dank für diese persönlichen eindrücke aus nächster nähe in allers ausführlichkeit, sowas findet man nicht so oft.

    ich finde friedliche, legale und klar zielgerichtete demonstrationen richtig gut. leider scheint mir das in HongKong nicht so ganz so zu sein.

    5 argumente pro und kon

    kontra demonstranten
    1. illegale demonstrationen
    laut xifan wechseln die demonstranten großflächig “wie wasser” den ort der demonstration und bestimmt nicht wie genehmigt. das alleine ist illegal. und würde in Deutschald bei den 1. Mai Demos oder bei Stuttgart 21 nicht gehen.

    2. unklare zielsetzung
    die hongkongregierung hat den initialen grund der demos, gesetzesvorschlag zur auslieferung an das festland, zurückgenommen. aber die demos laufen trotzdem weiter. jetzt hört man unterschiedliche gründe dafür aber auf jeden fall kein einheitliches bild. so lässt sich nicht gut das problem lösen. ich frage mich, ob so eine hetrogenen gruppe von demonstranten die fähigkeit hat ein gesprächsangbot in richtung hongkongregierung geben kann. vielleicht lässt sich dieses proteste nur sehr schwierig, auch wenn eine andere Regierung z.B. einer dt. Stadt wie Berlin oder Hamburg in Deutschland mit solchen unklaren forderungen von dt. demonstranten konfrontiert werden.

    3. demonstranten radikalisieren sich
    xifan wird gefragt, ob sich die bewegung ihaltlich oder mehr strategisch radikalisiert und antwortet, dass nur ein kleiner teil sich inhaltlich und ein großer teil “nur” verbal und strtegisch radikalisiert, in dem sie die polizei vor sich hertreibt. hier kommt es mir so vor, dass xifan verharmlosende worte sucht für die protestanten. in einigen demokratien stehen solche verbalen forderungen unter gefängnisstrafe, wie wir z.b. bei dem abspaltungsversuch katloniens von spanien gesehen haben. darüber hinaus glaube ich dass viele demonstranten unter 40, wenn sie auf ihren bannern oder in ihrem schriftverkehr die revolution und die abspaltung rhetorisch formulieren, dass sie es auch wirklich wollen. diese forderung wäre für mich allerings allerdings auch überzogen, wenn man bedenkt, dass die hongkongnesen vermutlich weniger demokratie unter england hatten als jetzt. Außerdem wurde china von england gezwungen hongkong an england zu verpachten und den verkauf von opium in china durch england nicht zu behindern. auch mit den werten der aufklärung und der demokratie ließ sich und wahrscheinlich noch immer so einige bestialische taten rechtfertigen.

    4. mehr demonstranten sind nicht friedlich
    ich höre und sehe in medien viel mehr gewaltätige demonstranten als es xifan beschreibt. mir kommt es auch hierbei so vor, als verharmlose sie die gewalt von demonstranten. sie sagt, es gäbe nur ein paar wenige die länger blieben und gewaltbereit wären. Aber nur ein paar wenige Beispiele von vielen, die das widerlegen sind die vielen aufnahmen vom sturm des parlaments oder die schlachten mit der polizei, die ganz und garnicht nach notwehr aussehen. xifan spricht über den vorall des verprügelten global times reporter von gefundenem fressen der pekinger propaganda und dass dies bei den demonstranten “eigentlich” nicht wiederholen darf. Wieso “eigentlich”? das wort meint verbuche ich als freudschen versprecher. Erstens ich glaube vernünftigerweise denkt sie in wirklichkeit, sowas darf auf gar keinen fall passieren, aber emotional oder unterbewusst möchte sie gerne diesen vorfall verharmlosen, weil sie mit den demonstranten sympathisiert. zweitens glaube ich wird per definition propaganda auf beiden seiten betrieben und drittens hätte die festlandregierung auch gutes recht dies hart und lange zu kritisieren, was per enger definition keine propaganda wäre. ich finde es außerdem nicht gut, dass zum hier zum 2ten mal xifan an der reihe ist, obwohl sie immer nur ein paar tage in hongkong selbst ist.

    5. Polizei kann unter diesen umständen nicht für ordung sorgen
    zugegeben dieser punkt könnte in beide richtungen interpretiert werden. die polizei is nicht fähig oder sie kann es nicht, weil die masse an protestern so schlimm sind. genau so ist es aber auch mit der verlinkten umfrage. für mich wird nicht ganz deutlich, ob die polizei unangemessene gewalt anwendet. man kann erkennen: a) eine spaltung zwischen jung und alt sowie zwischen primärer und tertiärer ausbildung (damit ist nicht intelligenenz oder urteilsfähigkeit gemeint) und b) das von denen die die gewalt der polizei mehrheitlich unangemessen empfinden mehr befragt worden sind. dies lässt mich die repräsentativität dieser umfrage in frage stellen. vor allem finde ich auch wichtig hervorzuheben, dass die alten den vorteil haben die 2 systeme zu besser zu beurteilen, nämlich, dass in deren augen unter einer demokratie wie england eine hong kong kolonie nicht unbedingt demokratischer oder viel wichtiger ein besseres leben zu erwarten war als unter dem dach chinas.

    mir fallen noch viele andere kontraarguemente ein, vielleicht sogar gewichtgere, wie zum beispiel, völkerrechtliche und staatsrechtliche legitimität für gegenwertiges und evtl. sogar härteres vorgehen der staatlichkeit inkl. judi-, legis- und exekutive. Das Argument, es braucht zeit dass so konträre regierungsformen den richtigen umgang miteinander zu finden. eine abspaltung hongkongs wie verbal von vielen gefordert würde wahrscheinlich noch nicht mehrheitsfähig sein solang noch viele ältere mehrheitlich pro china eingestellt sind und sogar trifftige gründe dafür hätten. dies wäre allerdings nur sehr schwierig abzufragen ohne dass peking dies zurecht als illegal ansähe. auch in spanien oder der ukraine würde dies in katalonien oder auf der krim verfassungsrechtlich nicht gemacht werden dürfen. noch zu prüfen wären geldflüsse von amerikanischen ngo zu den demonstranten. diese könnten eine instrumentalisierung derer zu zwecken einer us hegemonialpolitik gegen china sein. sehe allerdings von unseren qualitätsmedien wenig invesitgatives zu diesem punkt. etc…

    puh, ich habe wohl schwierigkeiten mich kurz zu fassen :))) und auch keine lust mehr pro argumente aufzuschreiben. nicht weil sie für mich weniger wichtig sind, sondern weil ich finde, dass in den deutschen und westlichen qualitätsmedien ohnehin viele proargumente ausführlich beschrieben werden und die andere seite oft zu kurz kommt, so auch hier bei xifan von der zeit. ich meine eine tendenz zu erkennen, dass qualitätsmedien in dt. mit den demonstranten in hongkong sympathisieren, weil sie pro demokratie sind und hierbei mit zweierleimaß gemessen werden darf. beispielsweise wird bei den katalanen und der pro russischen mehrheit auf der krim nicht so vorteilhaft berichtet. dieser entwicklung in den medien wird sogar auch als “haltung der freien medien” bezeichnet und als nun von einflussreichen medienmachern als durchaus zulässig empfunden. Siehe hierzu eine dt. journalistische preisverleihung dieses oder letzes jahr, bei dem der spruch eines ehemaligen berühmten ard journalisten, man solle sich als journalist nicht gemein machen mit einer sache, auch mit einer guten nicht, für meine begriffe umgedeutet wurde als sei damit genau das gegenteil gemeint, nämlich haltung zu zeigen und für die vermeintlich gute sache zu schreiben.

    Synthese
    prinzipiell bin ich a) emotional bei der jüngeren und liberalen bewegung in hongkong versus b) rational für eine habermaßsche diskursethik, ein die andere seite wohlwollendes verstehen wollen mit anschließendem interessensausgleich. beides unter einen hut zu bekommen braucht zeit und überlegte wohlwollende und unparteiische vermittelnde worte, damit beide parteien besser miteinander sprechen können. Hetzer, unbewiesene unterstellungen und abwerten anderer argumente ohne plausible gegenargument sowie tendenziöse berichterstattung möchte ich bei diesem Prozess überhaupt nicht gerne sehen. ich bin immer so hin und hergerissen was ich glauben soll. besonders wenn ich merke, dass auf beiden seiten immer ein paar dinge weggelassen werden, um besser da zu stehen. deswegen ist es wichtig emotionalem von rationalem zu trennen, nicht zu harsch mit anderen umzugehen. so ähnlich wie man es bei der kindererziehung macht wenn es um selbstentfaltung vs pflichten des kindes geht. laissez faire und autoritärer erziehungsstil sind nicht effizient und spannen eher den raum auf für den fall spezifischen goldenen mittelweg in der erziehung, ähnlich wie im umgang mit sich selbst oder der umgang zwischen volksgruppen untereinander.

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